Irgendwann im Jahr 2002 habe ich diese Domain registriert. Eigentlich wollte ich sven.de oder sven.com haben. Aber diese Namen waren auch damals schon vergriffen. Da sveni.com noch frei war, habe ich meine Chance genutzt und die Domain registriert.

Damals war ich etwa 20 Jahre alt. Heute bin ich fast doppelt so alt. Da ich die Seite nun wieder mit Leben und Inhalt füllen möchte, habe ich mich natürlich gefragt: Ist ein Namen wie Sveni zu kindisch? An sich könnte man sich das auch bei einem 20-Jährigen fragen. Aber bei einem Mann, der auf die 40 zu geht, mitten im Leben steht, seit vielen Jahren erfolgreich Selbständig ist, stellt man die Frage vielleicht noch mehr. Passt dieser Name überhaupt noch zu mir?

Und auch ich habe mir einige Gedanken dazu gemacht. Dazu machen wir einen kleinen Exkurs in die Psychologie.

Grundsätzlich ist es so, dass unsere Persönlichkeit nicht die eine Persönlichkeit ist. Vielmehr besteht sie aus mehreren Bestandteilen. Und ein wichtiger Bestandteil ist unser kindliches ich.

Es ist wichtig, dass wir unser kindliches Ich als Bestandteil von uns selber erkennen und zulassen. Das wir ihm Raum geben.

Das klingt jetzt etwas theoretisch, darum schauen wir uns das in der Praxis an. Fast jeder Mensch hat Situationen, in denen er in kindliche Verhaltensweisen zurück fällt.

Manche Menschen werden zum Kind wenn sie krank sind. Dann muss der Partner sie umsorgen und sie möchten deutlich mehr Aufmerksamkeit oder Mitleid, als es notwendig wäre.

Andere verfallen in kindliche Verhaltensweisen, wenn sie mit anderen Menschen streiten. Sie werden bockig oder sogar aggressiv.

Und am häufigsten kann man erkennen, dass erwachsene Menschen in ihr kindliches Ich verfallen, wenn sie mit kleinen Kindern zusammen spielen. Da sitzen erwachsene Menschen da und spielen mit Legosteinen oder Autos. Selbst dann, wenn die Kinder schon etwas anderes spielen oder das Zimmer verlassen haben. Erwachsene Menschen blödeln ausgelassen mit ihren Kindern herum. Und sie fühlen sich gut und lebendig dabei.

Jeder Mensch hat dieses kindliche Ich in sich. Manche Menschen lassen es ständig frei und blödeln irgendwie immer rum. Andere Menschen haben das innere Kind eingesperrt und sind immer kontrolliert und rational. Wer von beiden ist aber wohl glücklicher?

Warum wir das innere Kind frei lassen sollten.

Immer mehr Menschen sind vom Alltag gestresst und suchen nach Ausgleich. Nach Entspannung. Sie flüchten sich in Joga oder Achtsamkeitsübungen. Dinge die noch vor zehn Jahren leicht dem esoterischen Bereich zugeordnet waren, sind nun völlig normal. Die Menschen suchen nach Dingen, die alt sind, aber neu entdeckt wurden. Dinge die hipp und cool sind. Und alles nur um mal wieder runter zu kommen.

Dabei kann es doch viel einfacher sein. Wieso nicht einfach mal zehn Minuten Pause machen vom erwachsenen Ich? Einfach mal rumblödeln. Mit Freunden lachen. Abstand vom eigenen erwachsenen und mahnenden Ich. Das setzt so viele Glücks- und Entspannungshormone frei – viel mehr als Joga das könnte.

Das soll nun keine Ausrede sein, mit Sport aufzuhören. Sport ist auch wichtig für ein ausgeglichenes und gesundes Ich. Aber man sollte Sport machen um sich wohl zu fühlen und nicht nur um sich vom Alltag los zu lösen.

Das soll nun kein Appell sein beim nächsten Geschäftsmeeting laut zu rufen „Das ist laaaangweeeeilig“ und mit einem lauten „Huiiiii“ auf dem Bürostuhl durchs Zimmer zu rollen.

Das ist der Vorteil als erwachsener Mensch. Wir können uns reflektieren. Wir können erkennen und entscheiden, wann kindisches Verhalten okay ist und wann es einfach unangebracht ist. So wie der Erwachsene mit dem Kind spricht und dem Kind Grenzen setzt, so muss auch das erwachsene Ich den kindlichen Ich Grenzen setzen. Und es bestimmt, wann das kindliche Ich zum spielen raus darf und wann nicht. Aber am Ende geht es eben um ein ausgeglichenes Verhältnis von beiden Seiten.

Das erwachsene Ich muss eben schauen, wann ein guter Zeitpunkt ist, das innere Ich frei zu lassen.

Viele Menschen leben ihr kindliches Ich auch aus, wenn sie Spiele am Computer oder Tablet spielen. Das ist auch ein Weg. Aber das kindliche Ich sollte genauso wie das eigene Kind nicht nur auf eine Mattscheibe starren. Man sollte mit seinem inneren Kind auch in Kontakt treten.

Deine Grenzen setzt Du Dir selber.

Aber das innere Kind hat jedoch noch eine weitere interessante und auch wichtige Seite. Es geht nicht nur darum ab und zu mal seine Emotionen zu befreien. Wenn wir Kinder beobachten, dann leben sie in einer Welt in der alles möglich ist. Eine Welt ohne Grenzen. Für Kinder sind Zauberer, Magie oder der Weihnachtsmann keine Unmöglichen Dinge. Wenn wir erwachsen werden, dann lernen wir mehr Dinge. Und diese Dinge schränken aber auch immer mehr die Möglichkeiten ein. Irgendwann hören wir auf Dinge zu hinterfragen. Wir fragen uns nicht mehr, ob wir Dinge verändern können. Wir werden zu braven Mitläufern.

Das kindliche Ich nimmt diese Dinge nicht als gegeben hin. Es spielt im Kopf einmal Was-Wäre-Wenn durch. Und kommt so auf ganz neue Ideen und Möglichkeiten. Befreit von den Restriktionen des Alltags.

Wichtig ist einfach, dass wir im Einklang mit unserem inneren Kind leben. Dass wir es als Persönlichkeitsanteil erkennen und zulassen. Und das es Zeiten gibt, wo das innere Kind auch raus darf. Und das wir auf das innere Kind hören. Das wir schauen: „Wir geht es Dir? Wie fühlst Du Dich?“.

Es gibt Situationen in unserem Leben, die haben wir schon öfter erlebt und gemeistert. Aber in denen wir eventuell trotzdem immer wieder Unsicher sind. Zum Beispiel wenn ein neuer Job angefangen wird. Oder wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Dann meldet sich das innere ich und sagt: „Ich fühle mich unwohl. Ich habe Angst.“ Und das ist okay. Es ist gut, dies wahr zu nehmen. Aber dann kann das erwachsene Ich seinem inneren Kind sagen: „Das ist okay. Aber Du musst keine Angst haben. Diese Situation übernehme ich!“

Und aus diesem Grund ist der Name definitiv nicht zu kindisch. Er erinnert mich daran, mein inneres Kind nicht zu vergessen. Es erinnert mich, das mein Kopf mir viel mehr Grenzen setzt, als diese Welt da draußen.

Und aus diesem Grund starte ich diesen Blog genau unter dieser Domain neu. Weil es ein neues Jahr ist. Und weil es ein Jahr wird, in dem ich viele Grenzen verrückend werde. Ein Jahr in dem ich vieles bewegen möchte! Was das sein wird? Ihr dürft gespannt sein! 😉